Hotel des Monats

 

Kleines Schiff auf großer Fahrt

Die World Voyagers – unterwegs zu den Inseln des ewigen Frühlings       

Elke Thonke

 

Die “World Voyagers“ ist erst 2021 vom Stapel gelaufen. Sie ist neben der „Vasco da Gama“ ein weiteres Hochseeschiff von Nicko-Cruises, das auf den Weltmeeren unterwegs ist. Natürlich ist dieses Expeditionsschiff kein kleines Schiff. Gemeint ist jedoch das Passagieraufkommen. Bis zu 200 Personen können sich hier wohlfühlen. Platz für Aktivitäten, Genuss und Erholung ist reichlich vorhanden. Die 104 Besatzungsmitglieder kommen aus 25 Nationen. Die gute, menschliche Atmosphäre untereinander ist spürbar,  was immer eine gute Führung voraussetzt.

 

Bei einem Seetag lässt sich Vieles auf dem Schiff gründlicher erkunden. Exklusive Einrichtungen ähneln größeren Schiffen. Dieses hier hat auch den Vorteil, kleinere Häfen anzulaufen. Selbst ein Hubschrauberlandeplatz ist vorhanden. Eine größere Fläche nimmt  das Auditorium ein, für Darbietungen und Vorträge bestens ausgerüstet. Auf dieser Reise ist es Wolfgang Pröhl, der mit österreichischem Charme unter anderem über die Kanarischen Inseln informiert.

Auf einem anderen Deck stehen für aufkommende „Wehwehchen“ ein kleines Hospital mit Arzt und Schwester zur Verfügung. Um Corona Verdachtsfälle auszuschließen, wird täglich vor dem Dinner die Temperatur der Passagiere gemessen.

 

Auch die Möglichkeiten für Fitness, Sauna und Massagen sind vorhanden. Auf dem Sonnendeck kann zwar nicht der Whirlpool, jedoch bei leichtem Seegang schon mal das Wasser des Schwimmbeckens überschwappen, was mitunter zur Heiterkeit beiträgt. Mittags lädt hier der Lido Grill zu leichter Kost ein. 

 

Abends wird in der Regel im Restaurant serviert. Bei schönem Wetter ist auch der Außenbereich eingedeckt. Das Service-Personal ist sehr freundlich und zugewandt. So zaubert beispielsweise die Philippinerin Patricia, eine pfiffige und witzige Bedienung, oftmals ein Lächeln auf die Gesichter, wenn sie einen pointierten Spaß drauf hat. Eine andere aparte Kollegin von ihr, sie wirkt dagegen sehr ernst. Hat man herausgefunden, dass sie Ukrainerin ist, wird ihr Verhalten verständlicher. Kommt man ihr mit einer netten Geste entgegen, spiegelt sich ihr Dank in einem anmutigen Lächeln wider. Die Speisekarte kann sich absolut sehen lassen. Neben feststehenden, hochwertigen Standardgerichten gesellen sich täglich wechselnde Menüs, die untereinander austauschbar sind. Meistens phantasievoll angerichtet, isst das Auge gern mit. Dagegen könnte das Frühstücksbuffet etwas liebevoller und variabler gestaltet sein.

 

Zur belebenden Unterhaltung trägt erfreulicherweise der Pianist Oliver Wenath bei. Seine oft einschmeichelnden Melodien spielt er zu unterschiedlichen Zeiten in zwei verschiedenen Lounges. Wer sich zurückziehen möchte, findet Ruhe und Erholung in den behaglich ausgestatteten Kabinen. Ein großer Fernseher im Goldrahmen direkt vis-a-vis der Doppelbetten wirkt beeindruckend. Eine Espressomaschine und täglich frisches Mineralwasser  gehören zum Standard. Wer eine Balkonkabine gebucht hat, erfreut sich über die große Panoramafront mit freiem Blick auf das Meer. Bei angenehmen Temperaturen  genießt man so den Aufenthalt im Freien und das auf ganz bequemen Sitzmöbeln.

 

Angeboten wird auch eine Brücken-Führung. Der griechische Kapitän Yiannis Tsounakos ist seit früher Jugend Seemann aus Leidenschaft. Durch Einwanderung seiner Eltern ist er in Norddeutschland groß geworden. Sein jetziges Zuhause ist nun wieder Piräus, so dass man unwillkürlich an „ein Mädchen aus Piräus“ denkt, an diesen musikalischen Ohrwurm der sechziger Jahre.

 

Wer „mutig“  und abenteuerlustig ist, kann  sich kurz als „Kapitän“ fühlen, nämlich bei einer Zodiac- Fahrt auf dem Atlantik. Die motorisierten Schlauchbootfahrten finden während der Landgänge statt. Mit viel Glück sind Meerestiere aus der Nähe zu beobachten. 

 

Doch nun nimmt die World Voyagers Kurs auf die Kanaren. Auf den subtropischen Inseln  beträgt die Durchschnittstemperatur zwischen 18 und 25 Grad. Insgesamt leben auf diesen sieben spanischen Inseln mehr als eine Million Menschen.

 

Auf den nächsten Reisen  der World Voyagers werden außer Gran Canaria die sechs anderen Inseln besucht. Die An-und Abreisen erfolgen von Santa Cruz auf Teneriffa. Zeit, um sich in der sehenswerten Hafenstadt mit seinen schönen Plätzen und zahlreichen Jugendstilbauten umzusehen oder hier einzukehren.

Auf einigen Inseln ist der Weg vom Schiff bis zum Zentrum durch eine blaue Linie markiert. Sehr erleichternd, einfach eine glänzende Idee.

 

Die Inseln eignen sich sehr für Wanderfreunde. Dieses wird bei den angebotenen Ausflügen bedacht. Verschiedene Schwierigkeitsgrade sind gekennzeichnet. La Palma ist besonders schön. Eine sehr grüne Insel, mit üppiger Vegetation und eigenem Weinanbau. Empfehlenswert ist Santa Cruz, ein Städtchen zum Verlieben. Hier unterwegs, verlockt das Café „Don Manuel“ zur Einkehr, nicht nur weil es so sehenswürdig ist. El Hierro ist die kleinste Insel. Geografisch ähnelt sie einer Männerbadehose. Geprägt von landschaftlicher Vielfalt, ideal zum wandern. Fünf  Windräder können die Insel 20 Tage lang mit Strom versorgen. Es gibt hervorragend ausgebaute Panorama-Straßen, die zu spektakulären Aussichtspunkten führen. La Gomera, ebenso eine grüne, sehr spezielle Insel hat dichte Wälder sowie hohe Felsformationen. Über Jahrhunderte  haben sich Einwohner per Pfeifen über Berge hinweg verständigt.Um diese Tradition zu erhalten, wird heute wieder die Pfeifsprache El Silbo an Schulen gelehrt.

 

 Fuerteventura ist gewöhnungsbedürftig. Sie ähnelt in weiten Teilen einer Geröllwüste, allerdings gibt es hier phantastische  Hotelanlagen sowie die besten und feinsten Sandstrände. Zuletzt wird Lanzarote angelaufen. Bekannt durch weitreichende, auch fruchtbare Lavafelder, auf denen sogar Weinreben gedeihen. Teilweise hat die Insel    schwarze Strände. Hier lebte der bahnbrechende Architekt  und vielseitige Künstler César Manrique, dessen Verdienst es ist, dass Häuser mit mehr als zwei Stockwerken nicht gebaut werden durften. Auch auf anderen Inseln hinterließ er architektonische Sehenswürdigkeiten.

 

Nach all den Eindrücken neigt sich die Fahrt dem Ende entgegen. Vielleicht noch ein kleiner Tipp. Versierte Kreuzfahrer wissen, bevor die letzte Nacht anbricht, dass die Koffer vor die Kabinentür gestellt werden müssen, damit sich kein Passagier bis zur Ankunft am Flughafen mehr darum kümmern muss.Was passiert: Zwei ältere Damen packen nachts ihre Koffer und haben bereits ihr Nachtgewand angelegt. Sie treten vor die Tür. Die Eine stellt ihren Koffer rechts- die Andere stellt ihn links ab. Auf einmal macht es „peng“, die Tür knallt zu. Beide schauen sich sprachlos mit großen Augen und offenem Mund an. Nach mehreren Sekunden brechen die Verdutzten in schallendes Gelächter aus. Nun musste diejenige eine Etage tiefer  zur Rezeption wandeln, die etwas an den Füßen hatte und das unauffälligere Nachthemd trug, um eine neue Einlasskarte zu erhalten.Welche Begegnungen in dieser Nacht noch auf den Gängen stattgefunden haben, bleibt wohl ein süßes Geheimnis. Also bitte, nicht in so einer Situation ohne Karte die Kabine verlassen.

Ein Sinnspruch von Andreas Bechstein besagt: „Eine lange Reise hört nicht am Ziel auf. Ein Stück von uns wird im Geiste immer weiter reisen.“